Georg-Rothgiesser-Pokal

Georg Rothgiesser war ein Fahrradpionier, der in Bielefeld, Essen, Düsseldorf und Berlin wirkte. 1858 in Hannover geboren, kam er 1881 als kaufmännischer Handlungsgehilfe zur Nähmaschinenfabrik Dürkopp & Co nach Bielefeld. Hier gründete er mit anderen Radsportenthusiasten ein Jahr später den Bielefelder Velociped-Club und war mit verantwortlich für Bielefelds erste Radrennbahn, die 1885 eingeweiht wurde.


Georg Rothgiesser, 1892

Selber war Rothgiesser ein guter Hochradfahrer, sowohl bei Rennen als auch auf der Langstrecke. Schon im Sommer 1883 eroberte er als Erster mit dem „hohen Rade“ den über 1000 m hohen Brocken im Harz.
In Bielefeld gründete der Pionier 1883 mit seinem Kompagnon Richard Nagel die erste deutsche Fahrradsattelfabrik, die bis 1936 bestand. Durch sein großes technisches Verständnis war es ihm möglich, auf den verschiedensten Gebieten weit über 20 Patente zu erlangen. Bekannteste Beispiele sind der Schursattel für Hochräder und sein sattelgesteuertes Sicherheitsrad von 1886. Sein journalistisches Talent brachte ihm im gleichen Jahr den Redakteursposten beim RADMARKT ein, der ältesten noch bestehenden Fachzeitschrift für Fahrradindustrie und -handel.


Fahrrad "System Rothgiesser"

1889 wechselte Rothgiesser nach Essen, um eine eigene Fahrradfabrik namens „Merkur“ zu gründen, vier Jahre später betrieb er kurzzeitig in Düsseldorf eine Fabrik für pneumatische Fahrradreifen. Noch vor 1900 siedelte der Unternehmer, der sich inzwischen als Ingenieur bezeichnete, nach Berlin über und verlegte seine Aktivitäten auf die Entwicklung von Phonographen, die Vorläufer der Schallplattenspieler. Ab 1908 betrieb der vielseitige Techniker den ersten deutschen Motorflugplatz in Bork südlich von Potsdam. Anfang der 1920er Jahre begeisterte sich der unstete Pionier für die aufkommende Radiotechnik. 1923 gründete er das Verlagshaus Rothgiesser & Diesing und gab sehr erfolgreich Deutschlands erste Radiozeitschrift heraus.
Da Rothgiesser jüdischer Abstammung war, wurde sein Verlag 1936 von den Nationalsozialisten arisiert und der Verleger sowie seine Familie enteignet. 1943 kam Georg Rothgiesser mit seiner Frau Anna ins KZ Theresienstadt, wo er ein Jahr nach der Deportation ums Leben kam. Seine Frau und zwei seiner Kinder wurden ebenfalls im KZ ermordet.


Zur Erinnerung an seinen fahrradbegeisterten Großvater stiftete Thomas Michael Rothgiesser, der heute in San Francisco lebt, im Jahr 2001 den ansehnlichen Georg-Rothgiesser-Pokal, der seitdem jährlich als Wanderpokal an den besten Hochradfahrer der Velocipediade verliehen wird.

Von Michael Mertins, Bielefeld


Mehr Informationen zu Georg Rothgiesser

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Die Gewinner des Georg-Rothgiesser-Pokals

http://historische-fahrraeder.de/rueckblicke/die-gewinner.html