Talbot Rotsiegel

Aus der Sammlung von Michael Faiß, Weilheim bei Tübingen


Das vorgestellte Rad:
Herrenhalbrenner der Berliner Firma Talbot & Co. K.G. „Rotsiegel“, Rahmennr. 1611, Bj. 1937.

Wie lange ist es in deinem Besitz?
Seit 2004.


Mann und Maschine

Woher stammt es?
Es ist ein Rad, welches mir Martin Krach vermittelt hat. Der verstorbene Vorbesitzer hat es in einer Fahrradwerkstätte für Menschen mit Behinderung erworben und unverändert bei sich zu Hause abgestellt. Es sah aus wie ein Rad, welches ein 16-jähriger Schüler in den 70er Jahren einen Renntrim verpasst hatte: weiß lackierter Lenker, violetter Sprühlack, schwarze Chromteile…


Rhamenbeschriftung

Was magst du an ihm besonders?
Es ist gewiss kein uraltes Rad, aber ein schönes und interessantes. Was ich toll finde ist die Patina des originalen Zustandes, die unter den Spraylackschichten hervorkam. Vor allem die rot/orange metallische Farbe auf den wahrscheinlichen Reynolds-Rahmenrohren. Dann die Holzkotschützer, Wulstfelgen in Holzdekor, den filigranen Halbrennlenker, die 3-Gang Kettenschaltung von F&S mit Rücktrittsbremse und überhaupt, die ganzen hochwertigen Komponenten, die damals an diesem Rad verarbeitet wurden. Aber alles für einen Renner nicht ganz stimmig. Ein genialer Streich oder ein Flop? Vermutlich ist das Rad zu sehen als Tribut an einen Vorfahren, Romain Talbot, ein Fahrradhändler aus Berlin, der sich den Markenschutz für Holzdekorfelgen um 1900 einschreiben ließ. Mir ist nichts über diese Berliner Radfirma „Talbot“ bekannt, vermutlich existieren nur noch wenige Räder. Diese Firma hat sicherlich nicht lange existiert. Vielleicht kommt noch was Überraschendes bei der Velocipediade 2008 in Berlin zu Tage.


Gabelkopf

Was magst du an ihm überhaupt nicht?
Es ist ein 26“ Rad, fast zu klein für mich und die Schaltgarnitur, die 1952 ersetzt worden ist. Die Schwalbe auf dem Kotschützer ist nicht die originale Figur, die fehlt dem Rad. Und die teuflische Rücktrittbremse, die nie richtig funktioniert, wenn man sie dringend braucht…

Welches war Dein bisher bestes Erlebnis mit ihm?
Ganz klar, das war die L’Eroica 2007 in Gaiole in Chianti mit unseren Vereinsmitgliedern und die ganzen Trainingsrunden in den Tübinger Weinbergen davor.